Arabiens Stunde der Wahrheit. Aufruhr an der Schwelle by Peter Scholl-Latour

By Peter Scholl-Latour

Die arabische Welt ist in Aufruhr. An der Südflanke Europas brodelt es. Ob in Ägypten, Libyen, Syrien oder Tunesien – überall begehrt das Volk gegen korrupte Regierungen und despotische Regime auf. Wie kein zweiter kennt Peter Scholl-Latour die wechselvolle Geschichte dieser Länder, die er seit den 1950er Jahren immer wieder bereist hat. In seinem neuen Buch verknüpft er auf bewährte Weise seine sechzigjährige Erfahrung als Chronist des Weltgeschehens mit aktuellen Eindrücken seiner jüngsten Reisen nach Nordafrika, darunter der Sudan, Ägypten und Algerien.

Was Peter Scholl-Latours Bücher seit jeher auszeichnet, ist die profunde Kenntnis der Länder und Kulturen, über die er schreibt. Schon in den 1950er Jahren hat er die arabische Welt intensiv bereist und seitdem immer wieder über sie berichtet. So vermag er mit bestechendem Scharfblick das aktuelle Geschehen in seinem historischen und kulturellen Zusammenhang zu erklären. Zugleich beschwört er in eindringlichen Reportagen die magische Welt der Basare, Kasbahs und Oasen herauf, die er noch in ihrem ursprünglichen Zustand kennengelernt hat. So ist sein Buch beides: hochaktueller Bericht und faszinierende Zeitreise.

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Wie lange diese gegenseitige Zuneigung dauern wird, ist höchst ungewiß. Der Verdacht, es sei den Entente-Mächten in erster Linie um ihre ­Petroleum-Interessen in Libyen gegangen, wird unweigerlich aufkommen. Da ist eine ganz andere Figur wie ein mächtiger Magier und Hoffnungsträger auf den Plan getreten. Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdog˘an hat ebenfalls die Schauplätze der »Arabellion« aufgesucht. Doch verfügte er gegenüber den beiden europäischen Staatsmännern über den immensen Vorteil, sich in­mitten einer ergriffenen Masse gläubiger Muslime mitsamt ­deren Ulama und Schuyukh beim gemeinsamen Gebet in Richtung Mekka zu verneigen.

Bilder aus der Vergangenheit tauchen auf. Vor einem halben Jahrhundert hatte an dieser Stelle der ehemalige französische Président du Conseil Georges Bidault die unbelehrbaren Anhänger der »Algérie française« um sich geschart, die das Mutterland, »la mère patrie«, von Dünkirchen in Flandern bis Tamanrasset im Herzen der Sahara ausweiten wollten. Am Nachmittag hatte Charles de Gaulle, dessen Absicht, Algerien in die Unabhängigkeit zu entlassen, inzwischen publik wurde, die Elite seiner Generale und Obersten in den Sommerpalast des Generalgouverneurs beordert.

In der Machtvakanz, die jetzt eintrat, entsann man sich eines Außenseiters, der gemeinsam mit Ahmed Ben Bella zu den ersten Verschwörern der »Organisation secrète« gezählt hatte, als diese am Allerheiligen-Tag 1954 gegen die Franzosen losschlug. Mohammed Boudiaf hatte sich in Marokko eine zivile Existenz aufgebaut. Der für seine rauhe Ehrlichkeit bekannte Kämpfer der er­sten Stunde wurde durch seine Berufung zum Präsidenten völlig überrascht. Als er ein Minimum an Redlichkeit in der Verwaltung des Landes anforderte, die Korruption in der Einheitspartei FLN anprangerte, gegen die Bestechlichkeit hoher Offiziere anging und die krakenähnliche Unterwelt des Schwarzmarktes – im Volksmund »Trabendo« genannt – ausschalten wollte, war sein Schicksal besiegelt.

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